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Interview mit Pascal Zuberbühler Teil2

Eingetragen von auf 14. Mai 2011 – 20:28Kein Kommentar | 159 Zugriffe

Teil 2 des Interviews Pascal Zuberbühler über Ernährung, Drucksituationen, die WM 2006 und der Trainingsalltag im englischen Profifussball…

Hier nun wie versprochen der zweite Teil des Interviews. Viel Spaß:)

8.Was würden Sie zum Thema Ernährung im Fussball sagen?

“Die richtige Ernährung ist besonders für den Profisportler von wichtiger Bedeutung. Man sollte sich auf dem Weg zu seinem Ziel richtig ernähren. Trotzdem bin ich nicht immer derjenige gewesen, der zum Beispiel nur stilles Wasser getrunken hat. Ich trinke um Beispiel auch mal ein Glas Wein, da das für mich ab und zu einfach mal dazugehört. Sich bei der Ernährung nur an sehr strikte Regeln zu halten, finde ich, ist zuviel des Guten. Sicherlich sollte man auf die Ernährung achten und nicht zu viel fettiges Zeug, Süßigkeiten u.s.w. zu sich nehmen. Das gehört für uns Sportler einfach zum Beruf. Auch sollte man darauf achten nicht einfach das Frühstück wegzulassen, sondern stattdessen etwas zu sich nehmen.

Es gibt Sportler die stehen morgens auf und gehen ohne etwas zu essen direkt ins Training. Das ist natürlich auch nicht ideal, wenn man gute Leistungen abliefern will. Trotzdem ist jeder Mensch unterschiedlich. Der eine braucht ein großes Frühstück, der andere isst nach dem Aufstehen nur sehr wenig. Da muss einfach jeder Spieler seine ideale Ernährung finden. Heute wird jeder Profi genau durchgecheckt und da weiß jeder Trainer und jeder Arzt genau was der jeweilige Spieler gerade benötigt. Es ist schon interessant zu schauen welcher Spieler was und wieviel während des Tages verbrennt und was der Spieler mehr bzw. weniger für seine optimale Ernährung benötigt.

(Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Pascal Zuberbühler)

Ich bin nicht jemand der bei der Ernährung strikte Vorgaben empfiehlt und so pauschale Aussagen macht, wie zum Beispiel Mittags immer Spaghetti, 1x die Woche Fisch, u.s.w.. ich persönlich bin bei diesem Thema etwas lockerer. Aber auf der anderen Seite muss ich sagen, je länger ich Profi bin, desto mehr achte ich auch auf meine Ernährung.

Als junger Mensch verzeiht der Körper schnell mal ein paar Süßigkeiten zu viel oder „ungesundes“ Essen, als Älterer muss man da schon ein bissien mehr aufpassen und sich hier und da zurücknehmen.”

9.Mit welcher Einstellung gehen Sie in ein Spiel und wie gehen Sie mit Drucksituationen um?

“Der Druck ist halt da wenn du mit deiner Mannschaft auf dem Feld stehst. Gerade als Torhüter bist du in einer Position, wo der Druck sehr sehr hoch ist. Wenn du auf dieser Position einen Fehler macht ist der Ball zu 90% im Netz. Aber trotzdem liebe ich diese Position, da man als Torhüter immer eine Besonderheit hat: Man darf den Ball in die Hand nehmen. Mitlerweile vermisse ich jetzt schon all diese Drucksituationen, da ich nicht mehr so viel spiele. Das war immer was spezielles, denn in der Woche hast du trainiert, du hast dich vorbereitet und hast das Wochenende davor vielleicht schlecht oder super gespielt. Wenn du gut gespielt hast, dann ist es alles sehr einfach, aber wenn du schlecht gespielt hast musst du dich selbst via Training wieder „zurückkatapulieren“ sozusagen. Am nächsten Spiel kommt dann mehr Druck auf dich zu und du kannst dich dann auspowern und einfach alles rauslassen, was du die vorherige Woche trainiert hast. Diese Situationen vermisse ich jetzt schon.

Für viele Leute ist Druck im Fussball etwas sehr schlechtes, ich aber liebe diese Drucksituationen. Im Profifussball muss man einfach mit Druck umgehen können. Man braucht einfach diese gewisse Herausforderung. Wenn du als Profifussballer ins Spiel gehst und es ist dir egal ob man gewinnt oder verliert, dann hat man sich meiner Meinung nach den falschen Beruf ausgewählt.”

10.Sie waren bei der WM 2006 Stammtorwart der Schweizer Nationalmannschaft. Was ist es für ein Gefühl bei einer Weltmeisterschaft hautnah dabei zu sein?

“Die Weltmeisterschaft 2006 war ganz klar das schönste Erlebnis in meiner Karriere. Zum einen ist es nicht alltäglich mit der Schweiz bei einer WM dabei zu sein, zum anderen ist es auch erstaunlich so eine gute Qualifikation gespielt zu haben. Dann kommt auch noch dazu, das man bei der WM sehr erfolgreich die Gruppenspiele absolviert hat und somit bis ins Achtelfinale eingezogen ist. Auch war das Achtelfinale ein sehr gutes Spiel, auch wenn wir beim Elfmeterschießen dann nicht mehr so erfolgreich waren. Das war eine harte Sache in so einer Situation auszuscheiden und dann vor allem noch auszuscheiden ohne ein einziges Gegentor bekommen zu haben.

Und dann sitzt man zuhause vor dem Fernseher, schaut sich die restlichen Spiele der WM an und denkt:“ Warum bin ich jetzt zuhause? Ich habe doch aus dem Spiel heraus überhaupt kein Gegentor bekommen“. Im Nachhinein -es hört sich vielleicht blöd an- hätte ich lieber 3 Tore bekommen oder in der ein oder anderen Situation schlecht ausgesehen, um genau zu wissen:

(Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Pascal Zuberbühler)

Okay du bist ausgeschieden, es ist nicht optimal gelaufen. Aber in dieser Situation als Torhüter sitze ich dann zuhause und habe kein Tor aus dem Spiel heraus kassiert, und bin auf der einen Seite natürlich sehr stolz auf die gesamte Mannschaft und auf alle, die auf unser Ziel hingearbeitet haben, aber auf der anderen Seite ist man dann auch frustriert.

Letztendlich ist es so passiert, aber trotzdem war es eine sehr sehr schöne Weltmeisterschaft, ich habe sie sehr genossen und meine Mannschaftskollegen auch. Auch waren sehr viele Schweizer Fans in Deutschland und es war einfach insgesamt ein riesen Highlight in meiner Karriere.”

11.Sie sind nun schon viele Jahre Fussballprofi, gibt es noch ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Was machen Sie nach Ihrer Fussballkarriere?

“Momentan bin ich noch angestellt als Profi beim FC Fulham. Nach der Europermeisterschaft 2008 hatte ich die Chance bei Fulham als zweiter Torhüter zu unterschreiben und das war für mich eine riesige Sache. Zunächst hatte ich erstmal für ein Jahr in London unterschrieben und nach einer sehr guten Sasion seitens Fulham habe ich dann nochmal für ein weiteres Jahr unterschrieben. Indiesem Jahr haben wir uns dann für den Uefa Cup qualifiziert, was für Fulham auch wieder ein riesen Highlight war. Und dann ist es so gekommen, dass es auch noch eine dritte Saison für mich beim FC Fulham gegeben hat.

Ich selbst sehe das als riesen Bestätigung an, dass ich auch wenn ich nicht auf dem Feld bin trotzdem meine Qualitäten in die Mannschaft, insbesondere im Training, mit einbringen kann. Für mich ist das natürlich eine riesen Sache auch das dritte Jahr bei Fulham dabei sein zu können und ich freue mich natürlich weiterhin noch einige Highlights mit Fulham feiern zu können, auch wenn ich nicht auf dem Platz stehe. Ich bin weiterhin hier voll intergriert und ich habe auch schon einige Torwarttrainings hier mit den Torhütern geleitet, zum einen mit der Nummer 1 Mark Schwarzer, welcher mit der Zeit zu einem meiner besten Freunde hier geworden ist.

Somit sehe ich dieses Jahr eher als ein Übergangsjahr und konzentriere mich auch auf Fragen wie:“ Was kommt danach“. Sicherlich bin ich auch daran interessiert einmal Torwarttrainer zu werden. Wo, in welchem Land, in welchem Verein lass ich erst einmal offen. Ich habe natürlich beide Ohren und Augen offen und schaue mal wie sich das ganze Jahr noch entwickelt.”

12.Und noch eine letzte Frage: Was macht ein Fussballprofi eigentlich zwischen den Trainingseinheiten (Also wenn er kein offizielles Training hat)? Führen Sie ab und zu auch mal ein Extratraining (also außerhalb des Mannschaftstraining) durch?

“Hier bei Fulham haben beispielsweise Mark Schwarzer und ich ein Programm aufgestellt, wo wir muss ich sagen wirklich sehr viel trainieren. Man fängt früh am Morgen schon mit einer Sonderschicht im Kraftraum an, dann geht es raus ins Torwarttraining, die Mannschaft kommt ebenfalls auf  den Trainingsplatz und die Torhüter werden dann ins Mannschaftstraining integriert. Nach dem Mannschaftstraining machen wir Torhüter dann oft noch Flankentraining oder Abstöße und nach diesem Training machen wir dann meist noch Krafttraining. Wir haben ein großes Fitnessprogramm für uns Torhüter und insgesamt tu uns dieses Training sehr gut. Wir haben super Bedingungen hier bei Fulham, einen super Krafttraum und das Trainingspensum ziehen wir hier voll durch und es macht uns auch noch großen Spaß. Je älter man wird, desto besser wird man. Und es ist generell wie eine Art Sucht immer besser werden zu wollen, sich immer wieder weiter zu verbessern.

Hier in England trainiert man generell nur 1 mal am Tag. Man macht nicht wie in Deutschland oder Frankreich ein Training am Morgen und eins am Nachmittag, sondern man hat ein Training am Tag welches dann zwar ziemlich lange dauert, aber man dann letztendlich nach einem Training fertig ist. Jeder Spieler hat hier auch speziell ausgearbeitete Trainingsprogramme. Der eine Spieler muss hier noch etwas mehr machen, der andere mus wo anders noch etwas mehr an sich arbeiten. Das ganze Training dauert dann am Tag so ca. 3 bis 4 Stunden. Bei Fulham haben wir einen sehr großen Trainerstab, mit Einzelcoaching und ganz individuelles Training. Es wird auf die Ernährung jedes Spieler geachtet, man bekommt jeden Tag die volle individuelle Unterstützung und der FC Fulham ist einfach ein sehr sehr professionell geführter Verein.”

Hiermit bedanke ich mich im Namen von erfolgsfussballer.de für das sehr spannende Interview und wünsche Ihnen noch weiterhin viel Erfolg in Ihrer Karriere…

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